Konjunktiv I und indirekte Rede: Übungen mit Lösungen
Klasse 8 bis 9Stand: 7. Oktober 2026
In der indirekten Rede gibst du wieder, was jemand gesagt hat, ohne es wörtlich zu zitieren. Dafür steht das Verb im Konjunktiv I: Mia sagt, sie sei müde. Klingt der Konjunktiv I wie der Indikativ, nimmst du den Konjunktiv II als Ersatzform.
Erklärung
Wozu indirekte Rede?
Mit der indirekten Rede zeigst du, dass du eine Aussage nur weitergibst. Du übernimmst sie nicht als eigene Meinung. Deshalb findest du sie oft in Zeitungsberichten, Protokollen und Inhaltsangaben. Am Gymnasium lernst du sie meist schon in Klasse 7, in Klasse 8 und 9 wird sie in Texten verlangt.
Ein Beispiel: Ben sagt: „Ich habe Hunger.“ In indirekter Rede heißt das: Ben sagt, er habe Hunger.
Den Konjunktiv I bilden
Du nimmst den Stamm des Verbs aus dem Infinitiv und hängst die Endung an. In der 3. Person Singular ist das fast immer ein -e:
- kommen: er komme
- haben: sie habe
- können: er könne
- werden: sie werde
- wissen: er wisse
Nur sein ist unregelmäßig: ich sei, er sei, wir seien, sie seien. Diese Formen unterscheiden sich immer vom Indikativ, deshalb brauchst du bei sein nie eine Ersatzform. In geschriebenen Texten nimmst du den Konjunktiv I immer dann, wenn er eindeutig ist. Im Gespräch hört man oft auch den Konjunktiv II.
Die Ersatzform mit Konjunktiv II
In manchen Personen sieht der Konjunktiv I genauso aus wie der Indikativ. Das passiert vor allem bei ich, wir und sie im Plural: wir haben, sie kommen. Dann erkennt niemand, dass es indirekte Rede ist. Du nimmst stattdessen den Konjunktiv II:
- Die Kinder sagen, sie hätten Hunger.
- Meine Freunde sagen, sie kämen später.
- Die Gäste sagen, sie könnten nicht bleiben.
Ist auch der Konjunktiv II gleich dem Präteritum, wie bei spielen oder lernen, nimmst du die Form mit würde: Die Kinder sagen, sie würden gern draußen spielen. Bei Verben wie kommen ist die würde-Form ebenfalls erlaubt: sie würden später kommen.
Pronomen und Zeitangaben anpassen
In der indirekten Rede sprichst du über eine andere Person. Darum ändern sich die Pronomen:
- ich wird zu er oder sie
- mein wird zu sein oder ihr
- wir wird zu sie, unser zu ihr oder, wenn nur eine Person spricht, zu sein oder ihr
Achte darauf, wer mit wem spricht. Aus Jonas sagt zu mir: „Du hast recht.“ wird: Jonas sagt zu mir, ich hätte recht.
Eine Aussage in der Vergangenheit gibst du mit habe oder sei und dem Partizip wieder: „Ich war im Zoo“ wird zu: Sie sagt, sie sei im Zoo gewesen.
Fragen und Aufforderungen
Eine Ja-Nein-Frage leitest du mit ob ein: Ben fragt Lea, ob sie mitkomme. Bei einer Frage mit Fragewort behältst du das Fragewort: Die Oma fragt, wann die Schule beginne. Das Verb steht dann am Ende.
Eine Aufforderung gibst du mit solle wieder: Die Lehrerin sagt zu Ben, er solle das Fenster zumachen. Bei einer höflichen Bitte passt auch möge: Oma sagt, sie möge bald wiederkommen.
So übst du hier
Auf Stufe 1 bildest du den Konjunktiv I in der 3. Person Singular. Auf Stufe 2 geht es um Ersatzformen und um Pronomen, die du anpassen musst. Auf Stufe 3 kommen Fragen, Aufforderungen und Aussagen in der Vergangenheit dazu. Du setzt Verbformen in Lücken, wählst die richtige Form, ordnest Indikativ und Konjunktiv einander zu oder schreibst ganze Sätze um. Bei Aussagen darfst du den Nebensatz auch mit dass beginnen.
Typische Fehler
- Den Indikativ stehen lassen, zum Beispiel „Ben sagt, er hat Hunger“. Konjunktiv I von haben in der 3. Person Singular ist habe.
- Den Konjunktiv I auch dann nehmen, wenn er wie der Indikativ klingt: „Sie sagen, sie haben keine Zeit“. Hier brauchst du die Ersatzform hätten.
- Präteritum statt Konjunktiv II schreiben: „sie hatten“ ist Indikativ, die Ersatzform heißt „sie hätten“.
- Die Pronomen nicht anpassen: „Lea sagt, ich sei müde“ meint jemand anderen als „Lea sagt, sie sei müde“.
- Eine Frage mit dass wiedergeben. Ja-Nein-Fragen beginnen mit ob, andere Fragen mit dem Fragewort.